Schwing

Wasserkraftwerk Rheinfelden

Das größte Wasserkraftwerk Europas entsteht an der deutsch-schweizerischen Grenze

SCHWING-Stetter liefert Betonmischanlage, Fahrmischer, Betonpumpen und Verteilermast für das Großprojekt

Die Nutzung alternativer Energien ist mehr denn je ein Thema, mit dem sich die Menschen weltweit verstärkt beschäftigen werden, um zukünftig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Bereits vor 110 Jahren, lange bevor CO²-Emission überhaupt ein Begriff war, ging das Flusskraftwerk Rheinfelden in Baden-Württemberg als Vorreiter in der europäischen Elektrizitätsgewinnung aus regenerativen Energien in Betrieb. Derzeit entsteht nur 800 Meter flussaufwärts, direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze das Maschinenhaus als Teil des 2003 begonnen Kraftwerk-Neubaus Rheinfelden.

Nach den ersten beiden Bauphasen, die man im April 2007 abgeschlossen hatte, konnte im Frühjahr 2008 mit den Bauarbeiten am Wehrfeld 1 und am Maschinenhaus begonnen werden. Mit einer Absenkung des Wasserspiegels im Unterwasser kann das nutzbare Gefälle von derzeit sechs auf ca. neun Meter erhöht werden. Begünstigt wird die Lage durch das große Fliessgefälle von 1 m pro km. Über die 80 cm hohe Einlaufplatte strömt das Wasser zu den Turbinen hin. Damit es wieder optimal von den Turbinen abströmt, werden große Saugrohrpanzerungen vor Ort in die richtige Lage eingemessen, aneinander geschweißt und dann verlegt. Für den Einlaufbereich der Turbinen werden spezielle Rundschalungen erstellt.

Die Anzahl der Turbinen, die noch aus der Gründerzeit stammen, wird von 20 auf vier verringert, die Leistung wird jedoch um das vierfache auf 100 Megawatt erhöht werden. Mit einer Jahresproduktion von 600 Megawattstunden – für die etwa 300 Windkrafträder nötig wären – könnten bis zu 200.000 Haushalte mit sauberem Strom beliefert werden. Ein Kohlekraftwerk gleicher Kapazität würde im Jahr 600.000 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen.

Das größte Wasserkraftwerk Europas, mit ca. 400 Mio. Euro gleichzeitig auch das finanziell anspruchsvollste Projekt für regenerative Energien in Deutschland, wird voraussichtlich 2010 ans Netz gehen. Beim Bau kommen für Betonherstellung, -transport und -einbringung ausschließlich SCHWING-Stetter Produkte zum Einsatz:

Für das neue Maschinenhaus werden ca. 150.000 m³ Beton direkt auf der Baustelle von einer Stetter Mobilmischanlage M 2,25 hergestellt. Das Herzstück dieser Anlage, ein Zwei-Wellen-Zwangsmischer, bietet durch seine optimierten Mischschaufelstellung und die extrem hohen Verschleißgrenzen der einzelnen Komponenten hervorragende Mischergebnisse bei einer sehr hohen Verfügbarkeit.

Für die großen Massenbauteile des neuen Maschinenhauses wird ein C20/25 Beton mit einem Zementgehalt von 190 bis140 kg/m³ verwendet. Bei der Unterwasserpanzerung, also allen Bauteilen, die ständig mit Wasser in Berührung kommen, werden dem Beton Sulfatzuschläge zugesetzt und der Zementgehalt auf bis zu 300 kg/m³ erhöht. Für die Bereiche des Maschinenhauses, der die Turbinen sowie den Einlauf- und Auslaufbereich umfasst, wird ein C35/45 eingebaut. Dieser Beton ist trotz eines Zementgehalts von 320 kg/m³ und einem W/Z-Wert von 0,48 problemlos zu betonieren. Die Zuschläge der einzelnen Betonsorten kommen zu großen Teilen aus dem einen Kilometer langen Aushub, bei dem – ökonomisch und ökologisch sinnvoll – das Material, nachdem es auf der Baustelle aufbereitet wurde, direkt wieder für den Neubau verwendet wird.

Die Mischanlage wird durch ein Reihensilo beschickt, das die Bevorratung von großen Zuschlagmengen und sechs verschiedenen Fraktionen erlaubt. Die Verwiegung und Zuführung zum Mischer erfolgt mit Wiegeband und Beschicker.

Gesteuert wird die Mischanlage durch die Anlagensteuerung MC 150, die bei Stetter entwickelt und gefertigt wird. Durch die Lieferung aus einer Hand kann das Unternehmen sehr flexibel und schnell auf verschiedenste Änderungswünsche bezüglich der Steuerungsspezifikationen bzw. der einzelnen Komponenten eingehen, und diese für den größtmöglichen, individuellen Anwendernutzen auf der Baustelle optimieren.

Für den Betontransport kommen hauptsächlich drei Stetter Fahrmischer mit einem Füllvolumen von 10 m³ zum Einsatz. Da auf dem Weg zwischen Mischanlage und Betonpumpen keine öffentlichen Strassen befahren werden und damit Ladegrenzen keine Rolle spielen, können auch tatsächlich 10 m³ Beton transportiert werden. Dank der außergewöhnlich hohen Wasserlinie des Stetter Fahrmischers von 11.200 l, ist dies selbst auf den hier sehr steilen Baustellenzufahrten ohne Probleme möglich.

Die Fa. Schleith GmbH, die zusammen mit den Firmen Implenia, Rothpletz-Lienhard, und Züblin die mit dem Bau beauftragte ARGE bildet, betreibt eine SCHWING Autobetonpumpe S 39 SX direkt auf der Baustelle. Diese Maschine verfügt mit 39 m Reichhöhe über den längsten Mast, der auf einem 3-Achs-Fahrgestell und unter 26 t Gesamtgewicht aufgebaut werden kann. Die S 39 SX ist mit der innovativen und schnellen SX-H-Abstützung ausgestatten und kann dadurch nicht nur sehr schnell gerüstet, sondern vor allem in der engen Baugrube sehr platzsparend eingesetzt werden. Die Betonpumpe, das kraftvolle Herz der S 39 SX, ist mit einer Hublänge von 2.500 mm sehr laufruhig und vor allem sehr sparsam. Durch die Langhubbatterie werden Umschaltvorgänge eingespart, was zu einer direkten Senkung der Verschleiß- und Dieselkosten führt. Durch den SCHWING spezifischen Rockschieber lassen sich auch die teilweise schwierigen Betonsorten einfach pumpen.

Ergänzend installierte Schleith vor kurzem eine SCHWING Stationärpumpe SP 2800 und einen separaten Verteilermast SPB 30. Diese Einheit soll die großen Mengen im Einlaufbereich des Maschinenhauses pumpen und verteilen. Der Vorteil dieser Festinstallation liegt in der hohen Flexibilität. D.h. die Betonagen können nach Bedarf, ohne großen Planungsaufwand erfolgen. In Verbindung mit dem SCHWING Reinigungssystem kann der in der ca. 100 m langen Förderleitung befindliche Restbeton nach vorne zur Einbringstelle gepumpt werden. Außerdem wird durch die Fernbedienung der SP 2800 und des separaten Verteilermastes SPB 30 nur ein Anlagenfahrer benötigt. Laut Herrn Maier, Geschäftsführer der Schleith GmbH, fiel die Entscheidung für SCHWING-Stetter Produkte nicht schwer, da das Unternehmen der einzige Anbieter ist, der dieses breite Produktspektrum in Premium-Qualität anbieten kann. Schließlich kann man sich bei so einem gigantischen Projekt keine langen Ausfallzeiten durch technische Probleme erlauben.

Für ökologische Ausgleichsmaßnahmen sind insgesamt fast zwölf Millionen Euro vorgesehen. Dazu zählen die Wiederherstellung von Uferabschnitten und die Umgestaltung des alten Kraftwerkskanals zu einem natürlichen Fließgewässer. Ein Fischpass und ein künstliches 800 m langes naturnahes Umgehungsgewässer sollen die Funktion des heutigen Kanals als Aufstiegs- und Laichgewässer für verschiedene Wasserlebewesen übernehmen.